Dein Pferd ist manchmal etwas ängstlich? Oder es sieht hinter jeder Ecke Gespenster, wo in Wirklichkeit gar keine sind? Vielleicht ist dein Pferd aber auch noch jung und Du möchtest es Schritt für Schritt an die Geräusche und Eindrücke im Gelände heranführen? Für all diese Situationen eignet sich Gelassenheitstraining perfekt. Mit den richtigen Übungen wird dein Pferd entspannter und auch Du kannst ruhiger an Ausritte im Gelände herangehen, da Du weisst, dass dein Pferd cool bleibt. Noch dazu machen die Übungen Spass und ermöglichen euch, viel Zeit zusammen zu verbringen. Du kannst diese Übungen jederzeit machen, denn sie bringen immer etwas. Auch wenn dein Pferd schon ein richtiger „Entspannungs-Profi“ ist, sorgst Du mit diesen Übungen für mehr Abwechslung in eurem Training. Hier zeigen wir dir, welche Übungen für mehr Gelassenheit die besten sind und wie Du sie in eurem Training integrierst.

 

Mit welchen Eindrücken dein Pferd klarkommen sollte

Es gibt einige typische Geräusche und Dinge, bei denen viele Pferde erschrecken, auf die man aber trotzdem häufig bei einem Ausritt trifft. Raschelndes Laub auf Wegen, quietschende Bremsen von Fahrrädern und Autos, flatternde Planen oder Absperrbänder im Wind, schreiende Kinder, bellende Hunde und kunterbunte Farben von Schildern, Stangen, Bällen und Co. Ganz schön viele Eindrücke also, die dein Pferd erst einmal verarbeiten muss.

Da Pferde Fluchttiere sind, ist es eigentlich ganz normal, dass sich dein Pferd bei unbekannten Eindrücken erst einmal erschrickt und wegrennen will. Das liegt in ihrem Charakter und würde ihnen in freier Wildbahn beim Überleben helfen. Eigentlich ist diese Schreckhaftigkeit also etwas Gutes. Im Stall oder beim Ausreiten ist sie jedoch eher überflüssig und kann sogar gefährlich werden. Deswegen möchten Reiter am liebsten, dass ihr Pferd tiefenentspannt bleibt, egal was ihnen über den Weg läuft. Und das könnt ihr gemeinsam üben! Du brauchst nur ein paar Materialien und viel Geduld und schon bald wird dein Pferd nicht mehr so schreckhaft sein.

Dein Pferd vertraut deiner Einschätzung

Wichtig bei all diesen Übungen und bei Ausritten im Gelände ist deine Gelassenheit. Denn dein Pferd lernt mit der Zeit, deiner Einschätzung zu vertrauen. Bekommst Du in einer Situation Panik, überträgt sich das auch meist auf dein Pferd und es will am liebsten flüchten. Umgekehrt hat es weniger Angst vor „gruseligen“ Objekten, wenn Du entspannt bleibst und kein Monster daraus machst. Atme also tief, singe vielleicht sogar entspannt vor dir hin und nimm eine betont selbstbewusste und lockere Körperhaltung an.

Mit Anti-Schreck-Training kannst Du dein Pferd also an die unterschiedlichsten Dinge heranführen und ihm zeigen, dass es keine Angst haben braucht. Mit der Zeit wird es sich daran gewöhnen. Je mehr unterschiedliche Dinge dein Pferd kennenlernt, desto besser.

Der Ablauf des Gelassenheitstrainings

Der Ablauf von Gelassenheitsübungen ist eigentlich immer gleich. Betrachte gemeinsam mit deinem Pferd das Objekt erst einmal aus der Ferne. Ist dein Pferd bereit, gehst Du vor ihm ein paar Schritte auf das Objekt zu und bleibst wieder für eine Weile stehen, wenn Du merkst, dass dein Pferd zögert. Das wiederholst Du solange, bis ihr beim Objekt angekommen seid.

Dann umkreist Du langsam das Objekt und gibst deinem Pferd so viel Zeit, es von allen Seiten zu betrachten. Als nächstes berührst Du das Objekt und wartest, ob dein Pferd es auch beschnuppert oder anstupst. Das ist dein Ziel und genau in diesem Moment, solltest Du dein Pferd für seine Tapferkeit loben.

Lass dir für all diese Schritte viel Zeit und bleibe während des ganzen Ablaufs ganz ruhig. Auch wenn dein Pferd sich aufregt oder ängstlich wird, solltest Du ihm zeigen, dass keine Gefahr besteht und ihm einfach etwas Zeit geben, bevor ihr euch weiter nähert. Auch wenn dein Pferd am Strick herumtänzelt ist das nicht schlimm, lasse es einfach zu und bleibe weiterhin ruhig.

Mit diesem Ablauf spiegelst Du das natürliche Verhalten, dass Pferde zeigen, wenn sie mit einem unbekannten Gegenstand konfrontiert werden. Dadurch sieht dein Pferd dich als Vorbild und wird dein gelassenes Verhalten leichter übernehmen. Du vermittelst ihm so, dass es sich auf dein Urteil verlassen kann.

Ein weiterer Tipp, bei dem Du dir vielleicht etwas albern vorkommst: Du kannst auch das Objekt streicheln und loben. Damit merkt dein Pferd, dass der Gegenstand ja gar nicht so schlimm sein kann, denn warum würdest Du ihn sonst loben? Du kannst auch ein Leckerli auf dem Objekt platzieren, falls Du mit Leckerlis arbeitest.

Der Clicker-Ansatz für Anti Schreck-Training

Der Clicker-Ansatz arbeitet mit positiver Verstärkung. Hier wird die gesamte Aufgabe der Annäherung an das Schreckobjekt in viele kleine Teile zerlegt. Für die Erfüllung jeder Teilaufgabe gibt es Click und eine Belohnung. Also, wenn das Pferd in die Richtung des Objekts schaut, gibt es Click und Belohnung, dann wieder, wenn es sich dem Objekt annähert, als nächstes, wenn es das Objekt berührt und so weiter.

Klappt ein Schritt auch nach viel Zeit noch nicht, kannst Du versuchen, ihn in noch kleinere Schritte zu unterteilen. Der Vorteil von dem Clicker-Ansatz ist, dass er sehr flexibel ist und Du individuell auf dein Pferd eingehen kannst.

Horsemanship: Ein weiterer Ansatz 

(Natural) Horsemanship ist ein besonders gerissener Ansatz, bei dem Du mit der Psyche deines Pferdes arbeitest, statt dagegen. Du startest immer mit deinem Pferd am Halfter, mit genügend Abstand und ihm leicht zugewandt. Wenn es sich bewegt, gehst Du mit ihm mit und versuchst nicht, es zum Stillstehen zu bewegen. So kann es besser entspannen.

Dann schwingst Du zum Beispiel mit einem Seil oder raschelst mit einer Tüte. Läuft dein Pferd weg, lässt Du das zu, machst allerdings mit dem Geräusch weiter. Erst wenn es stehen bleibt, hörst Du damit auf. Dadurch merkt dein Pferd, dass es den „gruseligen“ Gegenstand beeinflussen kann. Wenn es wegläuft, bleibt das Gespenst da, bleibt es allerdings stehen verschwindet das Gespenst. So trainierst Du deinem Pferd die gewünschte gelassene Reaktion auf unbekannte Dinge an.

Damit dieser Ansatz funktioniert, musst Du allerdings konsequent sein und wirklich erst mit dem Geräusch oder Gegenstand aufhören, wenn dein Pferd stehen bleibt.

Hast Du es so weit geschafft, kannst Du zur nächsten Stufe übergehen: Bleibt dein Pferd stehen, bringst Du das Objekt ein Stück näher an es heran und wartest darauf, bis dein Pferd entspannt. Sobald es entspannt, nimmst Du das Objekt wieder weg. So hat dein Pferd auch wieder das Gefühl, Macht über das Objekt zu haben. Es lernt, dass das Objekt es in Ruhe lässt, sobald es entspannt. Praktisch, oder?

Das solltest Du beim Gelassenheitstraining vermeiden

Ein paar Dinge solltest Du beim Anti-Schreck-Training auf keinen Fall machen, damit es die beste Wirkung zeigt. Zunächst einmal solltest Du deinem Pferd zeigen, dass Du das Objekt ebenfalls bewusst wahrnimmst und es nicht ignorieren. Denn wenn Du es ignorierst, wird dein Pferd nicht dein gelassenes Verhalten spiegeln, da es denkt, dass Du das „Gespenst“ noch nicht einmal gesehen hast.

Natürlich ist auch Strafen oder Zwingen deines Pferdes, mit dem Objekt zu interagieren, ein absolutes No Go. Es sollte sich mit der Zeit von selbst an das Objekt annähern, es ausgiebig betrachten und beschnuppern, damit es seine Angst verliert. Ziehe es also niemals mit Kraft zu dem Objekt hin.

Auch das Gegenteil, also Loben und Streicheln während dein Pferd Angst hat, bringt eher den ungewünschten Effekt. Denn damit verstärkst Du sein ängstliches Verhalten, da dein Pferd denkt, dass es dafür belohnt wird. Loben solltest Du dein Pferd also nur genau in dem Moment, wenn es das Objekt berührt.

Zu viele Dinge in einem Training solltest Du ebenfalls nicht verwenden, denn das überfordert dein Pferd eher. Lass dir lieber viel Zeit und übe öfter, aber dafür mit weniger Dingen mit ihm. So hat es zwischen den Trainingseinheiten immer ausreichend Zeit zum Entspannen.

Praktische Gegenstände fürs Gelasseneitstraining

Deiner Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Am besten startest Du mit den Dingen, die in deiner Umgebung häufig vorkommen und die ihr wahrscheinlich auf einem Ausritt antreffen werdet. Hier haben wir ein paar Inspirationen für dich zusammengestellt:

  • Regenschirm
  • Flatterband
  • raschelnde Tüten
  • trockenes Laub
  • Bälle
  • Bunte Stangen
  • Äste und Zweige
  • Ein Fahrrad
  • Luftballons
  • Andere Menschen, die Lärm machen
  • Regenjacke

Was ist dein Pferd für ein Typ? Total gechillt oder eher nervös? Erzähle uns gerne in den Kommentaren von deinen Erfahrungen und deinen besten Übungen für mehr Gelassenheit.