Der Sommer geht immer viel zu schnell rum, findest Du? Das geht uns genauso. Kaum hat man sich versehen und schon ist der Sommer vorbei. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen kälter und die Bäume verlieren langsam ihre Blätter. An sonnigen Herbsttagen kann man das Ausreiten zwar noch so richtig geniessen, aber an kalten und grauen Nachmittagen ist es schon manchmal schwer, sich aufzuraffen und zum Stall zu fahren. Da ist die Kuscheldecke auf der Couch manchmal einfach verlockender… Aber nicht nur für uns Reiter ist die Zeit eine Herausforderung, auch unsere Pferde haben es durch die frostigen Temperaturen schwerer. Wie Du dein Pferd trotzdem gesund und fit hältst und ihr beide den Winter motiviert und unverletzt übersteht, zeigen wir dir hier!

 

Wie sich dein Pferd an den Winter anpasst

Pferde haben eine natürliche Reaktion auf kälter werdende Temperaturen: den Fellwechsel. Mit zunehmender Kälte wird auch das Fell deines Lieblingsvierbeiners dicker und länger, damit es sich besser vor Kälte und Feuchtigkeit schützen kann. Dafür braucht es allerdings mehr Nährstoffe, denn der Fellwechsel verlangt deinem Pferd einiges an Energie ab. Zusätzlich verbraucht das Aufrechterhalten der normalen Körpertemperatut im Winter mehr Energie. Du solltest das Futter deines Pferdes also etwas anpassen, um ihm alle Nährstoffe für den Winter zur Verfügung zu stellen.

 

Die richtige Nahrung für winterfeste Pferde

Als Faustregel gilt, dass Pferde im Winter ca. ein Drittel mehr Energie benötigen als sonst. Den Grossteil davon solltest Du mit Heu abdecken. Gutes Heu (Raufutter) sollte möglichst lange Halme haben, grün und nicht staubig sein. Ist dein Pferd schon älter und hat abgenutzte Zähne, kannst Du ihm auch Heucops geben. Diese sind leichter zu zerkleinern. Hat dein Pferd immer ausreichend und hochwertiges Heu zur Verfügung, hast Du schon einmal einen guten Grundstein für seine Gesundheit gelegt. Ein weiterer Vorteil ist, dass dein Pferd so nicht hungrig auf die Koppel kommt und dadurch weniger gefrorenes Gras oder gar vor lauter Hunger etwas Giftiges frisst. Gefrorenes Gras sollte kein Pferd zu viel verspeisen, da es nicht so leicht zu verdauen ist und zu Koliken führen kann.

Auch Mineralfutter solltest Du deinem Pferd über den Winter zur Verfügung stellen. Sie können sich in Ställen nicht mehr wie früher in freier Natur bedienen und haben so meist eine weniger abwechslungsreiche Nahrung. Damit dein Pferd trotzdem alle Mineralstoffe und Vitamine bekommt, eignet sich Mineralfutter. Hieran solltest Du auch nicht sparen. Günstiges Mineralfutter ist leider oft mit künstlichen Inhaltsstoffen hergestellt. Es sollte jedoch unbedingt aus natürlichen Zutaten bestehen. Nimmt dein Pferd trotz ausreichend Heu ab oder hat einen schlechten Fellwechsel, ist das ein Zeichen, dass ihm Mineralien fehlen und Du den Anteil an Mineralfutter erhöhen solltest. Zusätzlich sollte immer ein Salzleckstein im Stall angebracht sein. Diesen kannst Du sogar ganzjährig verwenden, dein Pferd wird ihn sicher auch im Sommer dankbar annehmen.

Mash ist zur Zeit des Fellwechsels und während der ersten kalten Tage perfekt, da Du es sogar lauwarm verfüttern kannst. Vielleicht ist es dir als Aufbaunahrung nach Krankheiten bekannt. Es ist nämlich besonders leicht verdaulich und wirkt appetitanregend, sodass dein Pferd noch mehr Nahrung zu sich nimmt. Zu lange solltest Du es allerdings nicht verfüttern und es sollte höchstens zweimal pro Woche zum Einsatz kommen, da sonst gute Darmbakterien zerstört werden. Du kannst Mash auch mit gesunden Zutaten pimpen oder sogar ganz selbst herstellen.

Ölfutter sorgt für schönes Fell, da es Energie und essentielle Fettsäuren enthält. Du kannst zum Beispiel Schwarzkümmelöl als Ergänzung geben. Allerdings solltest Du mit ganz kleinen Mengen starten und es erst auf Verträglichkeit testen. Knabberäste liefern ebenfalls Mineralien und pflegen die Zähne deines Pferdes. Sie sind eine tolle Abwechslung und machen vielen Pferden Spass, sodass Du sie sogar das ganze Jahr über einsetzen kannst.

Abschliessend noch zu den Getränken für dein Pferd im Winter. Ein Grossteil der 30 bis 50 benötigten Liter werden durch Wasser abgedeckt. Aber auch Pferde freuen sich mal über Abwechslung. Wie wäre es als mal mit etwas Tee, einem Smoothie oder sogar einem weihnachtlichen Punsch? Natürlich solltest Du damit nicht übertreiben und bitte auch keine künstlichen Inhaltsstoffe oder Zucker verwenden. Aber eine Mischung aus pürierten Früchten und Wasser mit etwas Gewürz, wie z. B. Zimt, wird deinem Vierbeiner sicherlich schmecken. Wenn es sehr kalt ist, kannst Du diese Mischung sogar lauwarm geben und so für ein bisschen mehr Wärme sorgen.

 

Winterliches Fitness- und Bewegungsprogramm für dein Pferd

Satt und gut ernährt ist dein Pferd nun schon einmal. Aber auch die Bewegung sollte im Winter nicht zu kurz kommen. Bewegung hilft den Pferden, sich aufzuwärmen und gesund zu bleiben. Deswegen haben sie auch nicht das Bedürfnis, sich unter einer Decke zu verkriechen und Netflix zu schauen, wenn es draussen so richtig ungemütlich ist. Das sollten wir Reiter stets bedenken und uns unserem Pferd zu Liebe aufraffen. Oft wird die Zeit auf der Koppel so stark verkürzt, was für das Pferd aber alles andere als gut ist. Viel Bewegung und viel Abwechslung sollte also auch im Winter auf der Tagesordnung stehen. Das heisst für dich als Reiter: Gehe nicht nur in die Halle oder auf den Platz, sondern auch raus ins Gelände.

Ein abwechslungsreiches Bewegungsprogramm enthält viele Ausritte in der Natur, Longieren, lange Spaziergänge und Bodenarbeit. Raffst Du dich zu diesem Programm bei Wind und Wetter auf, hat das nicht nur für dein Pferd viele Vorteile, sondern auch für dich. Ihr beide werdet weniger anfällig für Krankheiten, stärkt euer Immunsystem, kräftigt eure Muskulatur und euer Gleichgewicht und fördert das Vertrauen ineinander.

Vor dem Training solltet ihr immer ca. 20 Minuten warmlaufen, um Verletzungen zu vermeiden. Auch das Cool-Down sollte nicht zu kurz kommen und nach dem Training sollte gut trocken gelaufen werden.

 

Die richtige Haltung im Winter

Um Husten und Atemwegsinfekte bei deinem Vierbeiner zu vermeiden gilt lieber Luft als Wärme! Türen und Fenster sollte also auch bei kälteren Temperaturen offen bleiben, allerdings ohne Zugluft entstehen zu lassen. Heu und Stroh sollten nicht unbedingt direkt neben der Box gelagert werden und generell so staubfrei wie möglich sein. Es gibt sogar spezielle Heubedampfer, die die Staubigkeit vermindern. Alternativ kannst Du das Heu auch in etwas Salzwasser tauchen, bevor Du es verfütterst. Auch die Einstreu sollte staubfrei sein, Varianten aus Hanf, Späne oder Miscanthus sind dafür besonders geeignet.

Mit diesen Tipps kommt nicht so viel Staub in die Lunge deines Pferdes und auch die Ammoniak Belastung wird reduziert. Zusätzlich kannst Du dein Pferd seine Lunge mehrmals pro Woche so richtig auspusten lassen. Lass es für zwei bis drei Minuten Vollgas geben, so kommt ganz viel frische Luft in die Lunge rein und die alte staubige Luft wird schön vollständig ausgeatmet.

Die Tränken sollten bei frostigen Temperaturen regelmässig kontrolliert werden, damit die Schläuche nicht einfrieren oder gar platzen. Vielleicht hat dein Stall sogar ein spezielles Heizsystem dafür. Um glatte, eisige Böden zu vermeiden, kannst Du mit viel Stroh als Unterlage für Abhilfe sorgen.

Auf eine Decke solltest Du jedoch gerade zur Zeit des Fellwechsels verzichten. Das stört den natürlichen Anpassungsmechanismus nur und kann zusätzlich sogar für Hautirritationen sorgen. Eine Decke verhindert ausserdem das Wälzen, was für Pferde allerdings wichtig und natürlich ist. Für gesunde Pferde brauchst Du also den ganzen Winter über keine Decke. Im Krankheitsfall, bei älteren oder geschwächten Pferden kann eine Decke aber durchaus Sinn machen. Auch bei einer fehlenden Unterstellmöglichkeit im strömenden Regen ist eine Decke gar nicht so schlecht. Es gilt hier also, individuell zu entscheiden.

 

Die richtige Ausrüstung für dich

Du solltest natürlich auch gut ausgerüstet sein, möchtest Du mit deinem Liebling viele Stunden im Stall und in der Natur verbringen. Gute und funktionelle Kleidung ist hier also das A und O. Eine Regenjacke, ein Schirm und schnell trocknende Kleider sollten im Winter also zu deiner Grundausstattung gehören. Ziehe dich am besten nach dem Zwiebelprinzip an, sodass Du mehrere Schichten übereinander trägst. Warme Unterwäsche aus Lammfell hält ausserdem besonders warm und ist ideal als unterste Schicht deines «Zweibellooks». Auch ein Sattelfellbezug hilft, dich warm zu halten. Ein weiterer Trick ist, dir eine Nierendecke über die Oberschenkel zu legen, wenn Du lange ausreitest. Das sorgt für zusätzliche Wärme. Mache doch einfach mal wieder eine ausgedehnte Shoppingtour und gönne dir vor dem Winter etwas Tolles aus dem Reitbedarf. Ein schicker neuer Schal und eine neue kuschelige Weste motivieren dich vielleicht zusätzlich, da sie ja auch präsentiert werden müssen. Damit waren sie das Geld dann mehr als wert 😉

Auch Du musst im Winter viel trinken. Nimm dir eine Thermosflasche mit Tee mit in den Stall, an der Du dich zwischendurch gut aufwärmen kannst. Dann steht einem fitten Winter nichts mehr im Weg! Zeig uns doch auch auf Social Media deine Fotos von dir und deinem Lieblingsvierbeiner im Winter und markiere uns.

 

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