Pferde kommunizieren anders als wir Menschen. So viel ist klar. Doch wie lernst Du, die Pferdesprache zu verstehen? Hier zeigen wir dir, wie Du mit etwas Übung und Aufmerksamkeit zum Pferdeflüsterer oder zur Pferdeflüstererin wirst.

 

Grundlagen der Pferdesprache

Oft wird in Ratgebern zur Pferdesprache das Augenmerk nur auf einen kleinen Teil gelegt, zum Beispiel nur auf die Ohren. Das ist jedoch eine ziemlich einseitige Betrachtung. Deswegen solltest Du immer die gesamte Situation und alle Körperteile deines Pferdes im Blick haben. Je nach Situation können gespitzte Ohren beispielsweise nämlich etwas ganz anderes bedeuten.

Gähnt dein Pferd, kann dies unter anderem bedeuten, dass es müde ist oder Magenprobleme hat. Betrachtest Du die ganze Situation, kannst Du besser einschätzen, was es dir sagen will. Ihr hattet gerade ein anstrengendes Training? Oder hast Du vielleicht ein neues Futter ausprobiert? Das wird dir Hinweise geben, wie genau das Gähnen deines Pferdes nun zu verstehen ist. Denn dieses Zusammenspiel aus Reaktionen deines Pferdes und Kontext sagt dir viel mehr, als nur ein einzelner Aspekt.

Du siehst also: Pferdesprache zu verstehen erfordert viel Übung und eine intensive Beschäftigung mit deinem Pferd.

Wie wir Menschen haben auch Pferde ihre individuelle Art zu kommunizieren. Manche Pferde drücken fast unmissverständlich aus, was sie wollen, während andere eher zurückhaltend sind. So hat dein Pferd wahrscheinlich auch ganz eigene Angewohnheiten. Vielleicht kennst Du auch die eine Freundin, die sich immer am Kopf kratzt, wenn sie konzentriert ist oder einen Bekannten, der verzweifelte Lachanfälle bekommt, wenn er aufgeregt ist. Solche Eigenheiten können auch Pferde haben. Deswegen können dir Artikel zur Pferdesprache einen Anhaltspunkt bieten, trotzdem solltest Du dein Pferd immer als Individuum betrachten.

Beschwichtigungssignale – oder wenn Du zu aggressiv bist

Beschwichtigungssignale sind in der Tierwelt und Pferdesprache üblich. Sie helfen, eine angespannte Situation zu entschärfen oder ein gereiztes Gegenüber zu besänftigen. Das ist ein bisschen, wie wenn wir Menschen wegschauen oder lächeln, um eine Eskalation zu verhindern. Viele Tiere gehen Konfrontationen lieber aus dem Weg und wenden daher diese Beschwichtigungssignale an. Haben sie also das Gefühl, dass ein anderes Tier oder ein Mensch aggressiv ist, versuchen sie, zu beschwichtigen. Diese Signale werden auch angewandt, um selbst höflich und nicht aggressiv zu wirken. Doch was sind nun typische Beschwichtigungssignale?

Wegschauen

Du bist gerade dabei, mit deinem Pferd eine schwere Lektion zu üben und es schaut ständig weg? Nimm das nicht persönlich, denn dein Pferd meint es nicht böse. Wahrscheinlich bist Du gerade einfach zu fordernd und aufdringlich und es möchte dich beschwichtigen. Vor allem, wenn es vorher schon ein paar Beschwichtigungsversuche unternommen hat und Du diese ignoriert hast. Oder sogar im Gegenteil noch forscher geworden bist, weil es nicht zu dir schaut. Also, schraube einen Gang zurück und zeige deinem Pferd, dass Du es verstanden hast. Manche Pferde schauen nicht komplett weg, sondern werden mit einem Auge unfokussiert und blinzeln sehr oft.

Kauen, Lippen lecken, Gähnen

Diese Signale können je nach Situation stark unterschiedliche Bedeutungen haben. Kauen und Lippen lecken wird von Pferden jedoch häufig dazu eingesetzt, Druck abzubauen. Hast Du sie also gestresst, kann es gut sein, dass sie dieses Verhalten zeigen. Auch Gähnen dient dem Stressabbau und der Beschwichtigung. Vor allem, wenn diese Signale kombiniert auftreten oder dein Pferd zusätzlich viel blinzelt oder wegschaut, ist das ein ziemlich deutliches Beschwichtigungssignal.

„Versteinern“

Dieses Verhalten kennt man eigentlich von allen Tieren. Bemerken sie Gefahr oder eine angespannte Situation, bewegen sie sich langsam und vorsichtig oder versteinern sogar ganz. Damit wollen sie dem Gegenüber verdeutlichen, dass sie keine Gefahr sind und die Situation entschärfen. Beim Training ist das natürlich ärgerlich, doch ein hilfreiches Zeichen für dich. Wahrscheinlich wirkst Du gerade aufgeregt und unruhig und dein Pferd will, dass Du dich entspannst. Anstatt dich über das Stehenbleiben zu ärgern und noch lauter zu werden, nimm dieses Signal also dankend an.

Kopf senken

Ein gesenkter Kopf kann ebenfalls viele Bedeutungen haben. Er kann ein positives Signal sein und Entspannung signalisieren oder eine Beschwichtigungsgeste sein. Betrachte also den Kontext und deute das Verhalten entsprechend.

So zeigt dein Pferd Ärger und Unmut

Beschwichtigungsgesten sind ziemlich häufig und mit etwas Übung kannst Du gekonnt auf sie reagieren. Treibst Du es allerdings zu weit, hat dein Pferd Schmerzen oder ärgert es sich über seine Artgenossen, greift es zu deutlicheren Signalen. Diese sind meist als Warnung zu verstehen und es gilt zügig zu handeln und herauszufinden, warum dein Pferd das macht. Ein Fehlverhalten deinerseits oder von anderen Tieren kann oftmals der Grund sein und es warnt dich vor einem Tritt. Teilweise hat es aber auch eine bisher unbemerkte Verletzung oder Krankheit. Deswegen solltest Du diese Signale immer ernst nehmen.

Peitschender Schweif

Im Normalfall vertreibt dein Pferd einfach nur Fliegen. Sind allerdings keine Fliegen zu sehen, kann es auch das Unwohlsein oder den Ärger deines Pferdes anzeigen. Das sieht man übrigens häufig auf Turnieren oder in Reitstunden, wenn der Reiter oder Trainer zu fordernd ist.

Angelegte Ohren

Pferdeohren sind ein Thema für sich. Hier gibt es unglaublich viele Zwischenstufen und Bedeutungen. Sind die Ohren richtig flach angelegt und wirkt dein Pferd allgemein angespannt, gilt es vorsichtig zu sein. Das ist eine deutliche Warnung.

Stampfen

Das Stampfen bei Pferden kannst Du fast mit dem menschlichen Stampfen vergleichen. Dein Pferd zeigt dir damit, dass es sich langweilt, ungeduldig ist und Aufmerksamkeit will. Arbeitest Du gerade mit deinem Pferd – zum Beispiel beim Putzen – zeigt es durch stampfen aber auch, dass Du aufhören sollst. Vielleicht hat es sogar Schmerzen an der Stelle. Dann ist das Stampfen also eine Warnung und sollte unbedingt genauer betrachtet werden.

Hinterhand zudrehen

Behandelst Du dein Pferd immer gut, wirst Du dieses Signal hoffentlich nie sehen. Dreht ein Pferd dir die Hinterhand zu, ist das nämlich die deutlichste Warnung vor einem Tritt. Lass also sofort bleiben, was auch immer Du gemacht hast und gehe einen Schritt zur Seite. Hast Du dich eigentlich normal verhalten, solltest Du dieses Signal ebenfalls genauer analysieren. Denn das Hinterhand zudrehen ist äusserst selten.

Pferdesprache für „Ich mag dich“

Natürlich gibt es in der Pferdesprache nicht nur negative Signale. Dein Pferd hat auch viele Zeichen dafür, dass es ihm gut geht und es sich wohl fühlt. Hier zeigen wir dir nur zwei Beispiele, da diese keine dringende Handlung erfordern, wie die vorherigen Verhaltensweisen.

Nebeneinander stehen oder laufen

Paralleles Stehen, Fressen, Putzen oder Laufen bedeutet in der Pferdesprache in der Regel, dass man sich mag. Befreundete Pferde zeigen dieses Verhalten und auch Du kannst es nutzen, deinem Pferd zu zeigen, dass ihr Freunde seid. Bleib doch einfach mal eine Weile neben deinem Pferd stehen und schaue mit ihm gemeinsam in die Gegend!

Ein Ohr zu dir gedreht

Sind ein oder beide Ohren zu dir gedreht, kannst Du dich freuen. Dein Pferd ist mit seiner Aufmerksamkeit bei dir und hört dir zu. Bei der gemeinsamen Bodenarbeit oder beim Reiten merkst Du vielleicht, dass dein Pferd seine Ohren oft zu dir ausrichtet.

Unser Fazit zur Pferdesprache

Du möchtest nun auch endlich Pferdisch lernen? Dann nimm diesen Artikel als Anfang und beobachte dein Pferd mal ganz bewusst im Alltag. Du kannst viel davon lernen, wenn Du seinen Umgang mit anderen Pferden, mit dir und mit anderen Menschen beobachtest und versuchst, sein Verhalten zu deuten. So wirst Du nach und nach besser in der Pferdesprache und lernst dein Pferd noch besser kennen.

4.9/5 aus 84 Bewertungen