Angst beim Reiten, ein Thema über das nicht so gerne gesprochen wird. Denn schliesslich liebst Du das Reiten und dein Pferd. Du möchtest gerne besser werden und sorglos Zeit mit deinem Lieblingshobby verbringen. Doch die Ängstlichkeit ist gar nicht so selten und Du bist nicht alleine. Vielleicht hat ein früherer Stürz dazu geführt, dass Du jetzt etwas zurückhaltender beim Reiten bist oder Du hast erst relativ spät mit dem Reiten begonnen und bist nicht von klein auf von diesen wunderbaren, aber ziemlich grossen Lebewesen umgeben gewesen. Die Angst beim Reiten kann viele Gründe und Ursachen haben, schämen musst Du dich dafür aber auf keinen Fall. Ich zeige dir heute, woher die Angst kommen kann, wie Du sie überwindest und mit welchen Übungen Du mehr Vertrauen in dich und dein Pferd findest.

 

Woher kommt die Angst beim Reiten?

Die Angst beim Reiten kann viele unterschiedliche Auslöser haben. Oft ist auch gar nicht so wichtig, dass Du genau weisst, woher deine Angst kommt, sondern wichtiger, dass Du diese anerkennst. Eigentlich ist Angst ja etwas Gutes. Schon seit Urzeiten beschützt sie uns vor Säbelzahntigern oder Höhlenbären und ermöglicht uns, gefährliche Situationen zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Jeder hat vor etwas Angst. Bei deinem Lieblingshobby ist sie natürlich aber eher hinderlich und Du möchtest sie gerne überwinden. Wir schauen uns zunächst ein paar Situationen an, die die Angst auslösen können.

Nach einem schweren Sturz entwickeln viele Reiter Ängste, was völlig normal ist. Häufig kommen ausserdem Ängste beim Ausreiten oder in fremden Hallen vor, also in ungewohnter Umgebung und unbekannten Situationen. Auch schlechte Erfahrungen mit anderen Pferden, die schon weiter zurück liegen, können ein unbewusster Auslöser sein. Es gibt aber auch eine „richtige“ Pferdeangst, die genau so ist, wie wenn man Angst vor Spinnen hat. Man fürchtet sich einfach vor dem Tier an sich. Im Grunde haben jedoch alle diese Angstauslöser die gleiche Quelle: Kontrollverlust. Wird man mit diesem konfrontiert, entsteht Angst. Das wirkt sich auch körperlich aus. Man hält die Luft an, verkrampft sich, steigt ganz ab oder beobachtet Pferd und Umgebung übertrieben genau. Vor allem diese körperlichen Reaktionen kann man selbst mit entsprechenden Übungen recht gut in den Griff bekommen und so dem Kopf vermitteln, dass die Angst unbegründet ist.

Teilweise kann die Angst auch vom Pferd ausgehen. Es gibt einfach Pferde, die ängstlicher und sensibler sind. Das ist wie bei Menschen, auch hier gibt es unterschiedliche Typen und Charaktere. Hier lohnt es sich trotzdem, als Reiter Übungen gegen die Angst zu machen, da sich deine Entspannung und dein Selbstvertrauen beruhigend auf dein Pferd auswirken. So vermittelst Du auch ängstlichen Pferden Vertrauen und Sicherheit.

 

Kann man die Angst beim Reiten überwinden?

Ganz klar: Ja, kann man! Das ist die gute Nachricht. Allerdings wird das nicht von heute auf morgen geschehen und Du wirst viel Zeit und Übung investieren müssen, um wieder mutig beim Reiten zu werden.

Auch für das Pferd ist es wichtig, dass Du an deiner Angst arbeitest und sie überwinden kannst. Menschen merken es dir vielleicht nicht an, wenn Du cool tust und deine Nervosität verschleierst. Doch Pferde sind um einiges sensibler und spüren auch Gefühle, die Du vor deinen Stallkameraden verbirgst. Du hast es vielleicht selbst schon oft gemerkt: Wenn Du einen schlechten Tag hast, läuft es auch irgendwie nicht so rund beim Reiten und dein Pferd scheint ebenfalls abgelenkt zu sein. Umgekehrt kann sich dein Selbstvertrauen und gute Laune aber auch positiv auf dein Pferd auswirken. Stelle dir diese Situation nun mit der Angst vor. Du versuchst zwar, dir nichts anmerken zu lassen, aber dein Pferd spürt die unsichtbare Gefahr genau so wie Du. Das lässt nicht nur dich, sondern auch das Pferd angespannt werden und versetzt euch beide in einen „Kampf oder Flucht“ Modus. So kann es wiederum schneller zu schwierigen Situationen kommen, die wiederum deine Angst verstärken und so zu einer Abwärtsspirale führen können. Deswegen ist es wichtig, dass Du dir ehrlich eingestehst, wenn Du Angst oder Nervosität beim Reiten verspürst und dann entsprechend daran arbeitest.

 

Welche Übungen gibt es gegen die Angst beim Reiten? 

 

1. Tiefe und langsame Bauchatmung

Die Atmung ist für unsere Angst entscheidend. Wenn wir uns in einer Situation unwohl fühlen, wird unsere Atmung flach und schnell. Wir atmen dann überwiegend nur in den Brustkorb. Entspannen wir uns, wird unsere Atmung tief und langsam und wir atmen in den Bauch. Das kannst du üben, indem Du deine Hände auf Bauch und Brustkorb legst. Wo hebt sich deine Hand beim Einatmen an? Versuche nun so zu atmen, dass sich die Hand auf deinem Bauch anhebt, wenn du einatmest. Durch diese Übung entspannt sich dein ganzer Körper und signalisiert deinem Gehirn, dass alles okay ist und es keine Angst haben muss. Übe diese Atmung zunächst auf dem Boden und dann auf deinem Pferd sitzend.

 

2. Gleichgewichtsübungen

Gleichgewichtsübungen kannst Du ebenfalls auf dem Boden und auf deinem Pferd machen. Sie helfen dir, dich zu entspannen, Sicherheit zu erlangen und dich selbst besser wahrzunehmen. Das können ganz einfache Übungen sein, wie auf einem Bein zu stehen und dabei ruhig und gleichmässig zu atmen. Auch mit Freunden kannst Du lustige Gleichgewichtsübungen machen. Ihr steht euch gegenüber und versucht, euch durch leichtes Anstupsen oder Ziehen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hier wirst du wieder merken, dass es einfacher ist, dein Gleichgewicht zu halten, wenn du ruhig und selbstsicher bleibst.

 

3. Eigene Gefühle und Reaktionen wahrnehmen

Hat man Angst, konzentriert man sich meist nur auf das Pferd und bekommt einen Tunnelblick. Die Umgebung wird nicht mehr richtig wahrgenommen, was zu noch mehr Anspannung und Schreckhaftigkeit führen kann. Deswegen solltest Du üben, dich nicht nur auf das Pferd zu fokussieren. Spüre einmal in dich hinein und beobachte, was du fühlst. Bist Du irgendwo angespannt oder sind deine Muskeln sogar verkrampft? Wie ist deine Atmung? Wenn du dich selbst wahrnimmst, erkennst du auch, was dein Pferd spürt und kannst dies gezielt steuern.

 

4. Haltung bewahren

Deine Körperhaltung beeinflusst deine Emotionen massgeblich. Setze dich einmal mit rundem Rücken hin, lassen den Kopf hängen und ziehe die Mundwinkel nach unten. Wahrscheinlich wirst du anfangen, dich bedrückt und traurig zu fühlen. Wenn du dich aufrichtest, eine stolze Haltung einnimmst und ein leichtes Lächeln auf dein Gesicht bringst, hebt sich deine Stimmung automatisch. Diese Übung kannst du nun auf das Reiten übertragen. Sitze aufrecht und „throne“ wie eine Königin auf deinem Pferd, während deine Beinmuskeln locker und entspannt bleiben. Damit vermittelst Du sowohl deinem Gehirn wie auch deinem Pferd, dass du die Kontrolle hast und sicher und ruhig bist.

 

5. Visualisierung

Eine weitere gute Übung ist die Visualisierung. Stelle dir intensiv vor, wie Du mit deinem Pferd ohne Angst umgehen möchtest. Suche dir also zum Beispiel eine bestimmte Situation raus und male dir aus, wie Du selbstsicher und entspannt damit umgehst. Versuche alle Sinne mit einzubeziehen, also stelle dir nicht nur vor, was Du siehst, sondern auch was Du hörst, fühlst, wie du handelst etc. Die Visualisierung wirkt, da es unserem Gehirn relativ egal ist, ob man etwas wirklich tut oder es sich nur so bildlich wie möglich vorstellt. Wiederhole diese Übung am besten täglich, gerne auch mehrmals pro Tag, z. B. vor dem Einschlafen, vor und nach dem Reiten gehen oder nach dem Aufstehen. So kann sich das Bild richtig gut in deinem Gehirn einprägen.

 

6. Am langen Zügel reiten

Im Schritt kann sich das Pferd so austrecken und entspannen. Auch Du kannst dich besonders gut auf die Emotionen und Spannungen deines Pferdes konzentrieren. Sind die Muskeln verhärtet oder angespannt? Atmet dein Pferd schnell und nervös? Diese Informationen kannst Du nutzen, um es über deine eigene Einstellung zu beruhigen.

 

Professionelle Hilfe gegen schwere Angst vor Pferden

Hats Du wirklich schlimme Angst beim Reiten und helfen dir alle Übungen nicht, kannst du dir auch professionelle Hilfe holen. Es gibt inzwischen viele Coaches und Trainer, die Kurse oder Einzelsitzungen für Pferd und Reiter anbieten. Das Ziel ist hier, Entspannung für beide zu vermitteln und das Selbstvertrauen von Pferd und Reiter zu stärken. Häufig kommen in diesen Kursen Entspannungstechniken, Akkupressur, Körperübungen und Trance zum Einsatz. Die Erfolgsquote ist sehr gut und die Kurse machen viel Spass.

Wir hoffen, dir haben meine Tipps geholfen! Lass uns gerne wissen, wie Du deine Angst überwunden hast und was dir am besten dabei geholfen hat.

 

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